Gedankensplitter. Hamburg, nach einem langen Sommer nun der erste Herbststurm. Das Radio meldet 18 Kilometer Stau vor dem Elbtunnel, das nächste Kreuzfahrtschiff pflügt sich durch den Hafen, jedes vierte Kind lebt in der reichen Hansestadt in Armut, die Mieten steigen an Elbe und Alster trotzdem weiter in die Höhe, es wird weiter gebuddelt und lustig versiegelt: Das rotgrün regierte Hamburg ist dabei keine unrühmliche Ausnahme, nein, nein, es steht stellvertretend für viele andere Orte in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt: Wohlwissend, dass die Ressourcen endlich sind und der Klimawandel keine Verschwörungstheorie von linksversifften Spinnnern ist, wird weitergemacht wie bisher, immer der Logik des Wachstums und der Gewinnoptimierung folgend.

Angesichts dessen werden auch keine Elektroautos auf 18-spurigen Autobahnen, wie ich sie im Sommer in Kalifornien erlebt habe, aus der Misere helfen. Vielmehr wird die Fragilität dieser Welt immer deutlicher. Als freier Journalist und Autor sehe ich daher meine Aufgabe mehr denn je darin, die Widersprüche der Gegenwart darzulegen und auf Alternativen – von wegen alternativlos! –  hinzuweisen: in der Mobilität, in der Energieerzeugung, in der Landwirtschaft, in der Stadtentwicklung, in der Rohstofferzeugung, im Kulturellen, in der sozialen Gerechtigkeit und natürlich auch im Politischen. Es braucht neue Diskurse, befreit von altem Denken. Denn das Ende der Geschichte, wie einst vom Historiker Francis Fukuyama nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vermutet, ist noch längst nicht eingetreten, ganz im Gegenteil, die Welt bewegt sich derzeit ziemlich stotternd in eine neue Ära, von der aber noch nicht klar ist, welche Gestalt sie annehmen wird.

Ein „weiter so“, wird nicht mehr lange gut gehen. Das spüren viele. Es bedarf daher einer radikalen Neuorientierung, die den alten Gewohnheiten endlich neue, eine natürliche Kraft ausstrahlende Werte entgegenhält. Wie jeder weiß, gibt es nicht auf jede Frage eine gute Antwort. Aber auch nicht alle Fragen sind gut gestellt, es bedarf guter Fragen für gute Antworten. Die zu stellen, ist mein Job. Ach ja: Es geht immer weiter, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Der Hambacher Forst bleibt! Ich freue mich darüber und insbesondere auch über diejenigen jungen Leute, die vor Ort für den Erhalt des Waldes demonstriert haben!